Immer auf dem Laufendem. Mit dem IFE Blog!

Windenergieanlagen in Borssum eingeweiht

Anspruchsvolle Insellage sicher gemeistert

Sehr viel Wasser, Moor, eine Autobahn in direkter Nähe und eine Zuwegung ausschließlich über Brücken: Logistisch ist der Standort der beiden Windenergieanlagen der Stadtwerke Emden GmbH eine Insel. Riep Paulusma, Leiter Projektentwicklung bei IFE, berichtet über die Herausforderungen bei der Projektabwicklung in dieser exponierten Lage.

Im Fokus stand auf der einen Seite die geologische Qualität des Bodens. Nach einer Deckschicht von 1,5 Metern folgte eine 3 Meter starke Torfschicht mit 600 Prozent Wasser. Das machte eine aufwändige Tiefgründung und Wasserhaltung nötig. Auf der anderen Seite verlangte die Insellage eine besonders sorgfältige logistische Planung. Die Baustelle war ausschließlich über 5 Brücken zu erreichen. Nur eine davon konnte und durfte für schwere Lasten genutzt und entsprechend verstärkt werden. Und genau diese Brücke sollte zu einem festgelegten Zeitpunkt abgerissen werden. Bis dahin musste alles schwere Gerät die Baustelle wieder verlassen haben.

Gesetzt wurden die Fundamente der beiden Anlagen auf jeweils 60 Rammpfähle, die Standfläche für den Kran wurde ebenfalls gerammt. Um die Baugrube trocken zu halten, waren zusätzliche Wasserhaltungsmaßnahmen nötig. „Neben drei Tiefbrunnen und leistungsstarken Pumpen haben wir zusätzlich einen Datenlogger an der Autobahn eingesetzt“, erläutert Riep Paulusma. „Er überwachte während des Fundamentbaus den Grundwasserspiegel, um eine Absenkung der Autobahn auszuschließen.“

Für die Baustellenlogistik wurde eine Brücke mit Genehmigung des Wasser- und Schifffahrtsamtes Emden durch Stahlprofile verstärkt. Über diese Brücke wurden u. a. Kran, Betonmischer sowie bis zu 140-Tonnen-Transporte bewegt. Die Zeit spielte dabei eine noch größere Rolle als ohnehin schon auf dem Bau üblich. Der Bau eines Umspannwerkes der TenneT TSO GmbH in Emden-Ost stand bevor. In diesem Zuge sollte die Brücke abgerissen und später durch eine neue ersetzt werden. „Wir haben deshalb auf eine geballte Anlieferung gesetzt“, erklärt Riep Paulusma. Allerdings war es damit nicht getan. Schließlich musste der Kran nach der Montage auch wieder von der Baustelle herunter. „Die Aufbaugeschwindigkeit ist immer vom Wind abhängig. Da dieser Standort sehr windreich ist, mussten wir zur Sicherheit mit zusätzlichen Stillstandzeiten rechnen.“

Zudem signalisierte Enercon in der Bauphase, dass in Kürze ein neuer Generatortyp und überarbeitete Rotorblätter einsatzbereit sein würden. Der Bauherr, die Stadtwerke Emden GmbH, entschied sich zu warten, um diesen Generator in die Forschungs- und Entwicklungsanlagen einzubauen.

Im August wurden schließlich die Gondeln und Rotorblätter montiert. Letztere sind mit Trailing Edge Serrations (TSE) ausgestattet. Diese feinen Zähnchen an der Rotorblattkante reduzieren die Schallemissionen um 1,5 Dezibel.

Die feierliche Einweihung der Anlagen fand am 12. November 2015 statt. Für die Stadtwerke Emden GmbH war dies nicht nur als Bauherr, sondern auch als nachhaltig ausgerichteter Energieversorger ein besonderes Ereignis. Physikalisch erzeugen sie nun 100 Prozent des Strombedarfs aller Emder Haushalte selbst und regenerativ.

„Für uns hat nun ein neuer Abschnitt begonnen“, führt Pascal Habakuck, Geschäftsführer bei IFE, aus. Nach der Planungs- und Bauleitungsphase, unterstützt von IFE-Gutachtern, übernehme die IFE mit dem Takeover nun die technische und kaufmännische Betriebsführung. „Gute Planung zahlt sich aus. Ich bin sicher, das wird sich auch in diesem Projekt wieder bestätigen.“

Projektfakten
Anlagentyp: E-115, Luvläufer mit aktive Einzelblattverstellung
Hersteller: Enercon
Nabenhöhe: 139 Meter
Nennleistung: 3 MW
Rotordurchmesser: 115 m

Verbauter Beton: 958 cbm
Stahlbewehrung: 149 Tonnen

Kommentieren

Zum kommentieren bitte einloggen.